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GALATEA
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Verbundene Seelen

Claire Hill, ein gewöhnlicher Mensch, und Chloe Danes, ein Werwolf, werden zu ungewöhnlichen Partnern, nachdem sie zusammen in Chloes Körper gefangen werden. Als sie beide auf ihre Partner treffen, müssen sie in das magische Land Logia reisen, um eine Lösung zu finden, oder sie riskieren, ihre Liebe für immer zu verlieren.

Altersfreigabe: 18+

 

Verbundene Seelen von Sapir Englard ist jetzt in der Galatea-App zu lesen! Lesen Sie die ersten beiden Kapitel unten oder laden Sie Galatea herunter, um das ganze Erlebnis zu genießen.

 


 

Die Galatea-App wurde von BBC, Forbes und The Guardian als die heißeste App für explosive neue Romance, Science Fiction & Fantasy Romane ausgezeichnet.
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1

CLAIRE

Ich starrte auf die Uhr an der Bürowand. Die Zeiger schienen sich nicht im Geringsten zu bewegen.

Sie muss kaputt sein.

Ich überprüfte die Zeit auf meinem Handy.

10:34 morgens.

Nö. Nicht kaputt. Vielleicht ist die Zeit ganz stehen geblieben?

Oder vielleicht war dies einfach nur der längste Freitagmorgen, der je in der Geschichte der Menschheit aufgezeichnet wurde.

Ich verschränkte meine Arme auf der glatten Oberfläche meines Schreibtisches und legte meinen Kopf darauf. Für einen kurzen, schönen Moment schloss ich die Augen.

„Frau Hill!“, eine scharfe Stimme mit texanischem Akzent ließ mich aufspringen.

Ich drehte mich um und sah wie Ruby Hendricks, die Büromanagerin von Lopez & Martin, mich von der anderen Seite des Schreibtischs her anfunkelte.

Rubys unnatürlich blondes Haar war gelockt und aufgesprüht bis zum Gehtnichtmehr.

Ihre lindgrünen Krallen klickten auf dem Metall meines Schreibtisches.

„Claire, dies ist eine der besten Buchhaltungsfirmen in Amarillo. Wenn du weiterhin in dieser Firma arbeiten möchtest, schlage ich vor, dass du etwas mehr Enthusiasmus für deine Arbeit aufbringst, hmmm?“

Meine Wangen erröteten sich scharlachrot. „Ja, Frau Hendricks. Tut mir leid“, murmelte ich und richtete meinen Blick auf den gestreiften Tweed meines Rocks.

Es war nicht das erste Mal, dass sie mich zurechtwies, aber es war schwer sich jeden Tag zu motivieren und als Sekretärin zur Arbeit zu kommen.

Ich meine klar, ich war froh über den Job und er bezahlte die Rechnungen aber es war kaum das, was man aufregend nennen würde.

„Oh Cla-rie, hör auf zu buckeln“, tönte Frau Hendricks und dehnte meinen Namen in zwei Silben aus. „Wie willst du jemals einen Mann fangen, wenn du zusammengesackt bist wie ein…“

Ich habe nie genau herausgefunden wie ich zusammengesackt ausschaue, denn Frau Hendricks hielt mitten im Satz inne, als hätte jemand bei ihr die Pausentaste gedrückt.

Farbe stieg in ihr Gesicht, bis es fast so rosa war wie meines.

Ihre Pupillen weiteten sich und ihre Lippen spreizten sich, als sie tief einatmete.

Einen Moment lang dachte ich, sie hätte einen Anfall.

„Frau Hendricks, geht es Ihnen gut?“

Ich stand schnell von meinem Stuhl auf und ging zu meiner Chefin. Sie stand immer noch vor meiner Kabine und ihr Brustkorb hob und senkte sich schnell.

Ich berührte sie leicht am Arm. „Frau Hendricks?“

Es war, als hätte sie ein elektrischer Schlag getroffen; meine Chefin drehte den Kopf zu mir und sah mich an. Ihre braunen Augen glasig und unscharf.

Von dem Platz aus, an dem ich stand, konnte ich sehen, dass Frau Hendricks nicht die einzige war, die sich seltsam verhielt.

Zwei Mitarbeiter des Verkaufsteams gingen im Gänsemarsch den Korridor entlang.

Während ich sie beobachtete, betraten sie gemeinsam einen Wartungsschrank und schlossen die Tür hinter sich.

Frau Hendricks hob eine Hand an ihren Hals und ich konnte den Puls unter ihrer braungebrannten Haut schlagen sehen.

„Ja, Frau Hill, ähm… das wäre dann alles. Danke“, sagte sie und bewegte dabei kaum ihre Lippen.

Sie verließ meine Kabine und trabte auf ihren hohen Absätzen den Flur hinunter zur Tür mit der Aufschrift Herr Lopez. Er war einer der Seniorpartner der Firma und ein sehr mächtiger Mann.

Außerdem war er ein Werwolf.

Genau wie Ruby Hendricks.

Oh Gott. Bitte nicht heute. Ich stöhnte schwer, als mir klar wurde, was sich im Büro abspielte.

Es war der Dunst.

Verdammt noch mal. Verdammt. Warum heute!?

Ich schaute zum Glasfenster von Herrn Lopez' Büro hinüber, gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie mein Chef sich vor ihm hinkniete und begann, seine Hose aufzuschnallen.

Nö. Auf keinen Fall.

Ich war einer von nur fünf Menschen, die für Lopez und Martin arbeiteten.

Bei diesem Dunst würde das ganze Büro von geilen Werwölfen überrannt werden, die nach Befriedigung suchten.

Ich haue hier ab.

Ich schnappte mir meinen Mantel samt Handtasche und machte mich auf den Weg zum Aufzug.

Die Tür öffnete sich schließlich und enthüllte einen der IT-Jungs, dessen Finger tief im Rock unseres Marketingmanagers steckten.

.

„Oh Gott, nimmt euch doch mal zusammen“, murmelte ich, als die beiden kichernd davongingen, wahrscheinlich um einen ungestörten Raum im Büro zu finden.

Wenn ich diesen Tag überleben wollte, benötigte ich einen Kaffee.

Und zwar einen starken.

***

Das Café war überfüllt mit Menschen und Werwölfen. Selbst meine weniger scharfen Sinne konnten den Sex in der Luft riechen.

Es war wie eine unsichtbare Energie, die durch die Wölfe floss und sie mit aufgestauter Frustration schaudern ließ.

Während ich in der Schlange für meinen Kaffee stand, fragte ich mich, wie es sich wohl anfühlen würde, keine Kontrolle über meine eigenen sexuellen Triebe zu haben.

Meiner Leidenschaft nachzugeben, wann immer ich das Bedürfnis verspürte.

Mich meinen Impulsen völlig hinzugeben…

Ich war keine blauäugige Jungfrau, aber als ich die kurze Liste meiner sexuellen Begegnungen durchging, löste keine von ihnen das unwiderstehliche Verlangen aus, das ich in den Augen der Wölfe um mich herum sah.

Ich war so in meiner Fantasie versunken, dass ich nicht mitbekam, wie sich die Linie vorwärts bewegte.

Die Person hinter mir räusperte sich laut. Ich schreckte auf, wobei die Handtasche auf meiner Schulter schwang, als ich mich umdrehte.

Sie stieß mit einem großen, gut gekleideten Mann zusammen, der einen Pappbecher mit heißem Kaffee hielt.

Das Getränk fiel ihm aus der Hand, spritzte auf den grünen Kachelboden und bedeckte seinen Anzug und Schuhe.

„Was zum Teufel!“, schnauzte der Mann wütend.

Mir fiel vor Verlegenheit die Kinnlade herunter. „Oh mein Gott! Geht es Ihnen gut?“.

Ich bückte mich, um die Sauerei zu beseitigen aber eine Frau in einer roten Schürze kam bereits mit einem Mopp und einem Eimer heran.

„Ich habe nicht hingesehen – es tut mir so leid“, stammelte ich. Meine Wangen brannten als ich mich umdrehte und den Mann ansah, den ich gerade verbrüht hatte.

Er war groß, hatte dunkelbraune Haut und die ungewöhnlichsten Augen, die ich je gesehen hatte.

Sie waren von einem klaren Graugrün, das sich mit jedem Funkeln und jeder Facette des Lichts zu verändern schien.

Sein Kopf war glatt rasiert, aber der kürzlich rasierte Schatten eines Bartes umriss sein markantes Kinn.

Meine Entschuldigung blieb mir im Halse stecken. Ich starrte gebannt auf den gut aussehenden Fremden, der mich mit einem verärgerten Gesichtsausdruck ansah.

„Du solltest wirklich versuchen, vorsichtiger zu sein“, sagte er. Seine Stimme war ein tiefer Bariton, der mir einen kleinen Schauer über den Rücken jagte.

Sag etwas, Claire. Etwas Kluges und Lustiges.

Aber es war, als hätte ich eine Kiefersperre. Ich konnte meinen Mund nicht dazu bringen, Worte zu bilden.

Der Mann hob eine Augenbraue, als wolle er entscheiden, ob ich ihn verarschen wollte oder nicht.

„Wie auch immer. Machen Sie sich einfach keine Sorgen, okay?“, sagte er in einem sanfteren Ton.

Er drehte sich um, um zu gehen, wobei seine Schuhe nasse Kaffeespuren auf dem Boden hinterließen.

SAG ETWAS, CLAIRE, STEH NICHT DA WIE EIN IDIOT.

„Äh“, schaffte ich es zu grunzen, aber war zu spät. Der hinreißende dunkelhäutige Fremde war verschwunden.

Ich stöhnte innerlich auf. Das schien nicht mein Tag zu werden.

***

Wenn das Leben ein Reese Witherspoon Film wäre, wäre das ein „Meet Cute“ Moment gewesen.

Stattdessen wurde es zu einem „Meet Weirdo“.

Ich saß an der roten Plastiktheke und rührte meinen doppelten Vanille Latte mit einem Pappstrohhalm um.

Ich nahm einen Schluck vom Kaffee und beobachtete die Leute, die bei dem kühlen Herbstwetter draußen flanierten.

Die heitere Indie Musik im Café begann mir langsam auf die Nerven zu gehen.

Ich fischte mein Handy aus der Tasche und schloss meine Kopfhörer an, bevor ich ein beruhigendes, akustisches Lied aus meiner Spotify Playlist auswählte.

Ich bewegte meine Lippen sanft zu der Musik, schloss die Augen und ließ mich von dem sanften Klimpern mitreißen.

Seit Wochen hatte ich dieses Lied zu Hause in meinem alten Kinderzimmer auf meiner Gitarre geübt.

Ich wohnte bei meinen Eltern, seit ich letztes Jahr mein Studium abgeschlossen hatte.

Der Job in der Buchhaltungsfirma war erst ein paar Monate alt, und ich freute mich schon auf den Tag, an dem ich genug Geld gespart haben würde, um in eine eigene Wohnung zu ziehen.

Was noch viel länger dauern wird, wenn ich weiterhin 7 Euro für eine einzige Tasse Kaffee ausgebe…

Ich stöhnte wieder auf. Es war nicht so sehr, dass mein Leben schrecklich war, es erwies sich nur als so verdammt berechenbar.

Ein unterbezahlter Job, der mir keinen Spaß machte. Ein Berg von Studentenkrediten. Freunde, die anfingen zu heiraten und den Kontakt verloren.

Außerdem machte meine Mutter jetzt, da ich nicht mehr auf dem College war, fast täglich Andeutungen darüber, dass ich keinen Freund hatte.

Ich bin ausgegangen, hatte sogar ein paar Freunde während des Studiums, aber nichts hatte jemals länger als ein paar Monate gehalten.

Ich war einfach nicht das Partymädchen oder die Extrovertierte, nach der die Jungs auf dem Campus suchten.

Meine Gedanken schweiften zurück zu dem Mann, den ich versehentlich mit meiner Handtasche getroffen hatte.

Er hatte ein wunderhübsches Gesicht – mit einem markanten Kiefer und einem weichen Mund.

Seufz.

Ich starrte ausdruckslos auf die belebte Straße draußen und träumte von all den Dingen, die ich zu dem gut aussehenden Fremden hätte sagen sollen.

„Darf ich Sie auf einen Drink einladen, um es wieder gutzumachen?“

„Wenn Sie mir Ihre Nummer geben, bezahle ich die Reinigung.“

Selbst „Mein Name ist Claire Hill“ wäre besser gewesen als ein zusammenhangloses Gemurmel.

Ein Mann mit orangefarbenen Augen starrte mich von der anderen Straßenseite an.

Er lächelte bösartig, als er meinen Blick auffing.

Das ist unmöglich.

Toll, jetzt sehe ich Dinge.

Ich blinzelte. Der Mann war verschwunden.

Was soll's, Claire. Reiß dich zusammen.

In diesem Moment brach in dem Café um mich herum das Chaos aus.

Es ging alles so schnell, dass ich nur Blitze und Bilder von dem bekam, was passierte.

BÄM! BÄM! BÄM!

Der Klang von Schüssen.

Die panischen Schreie von Menschen und Wölfen, als sie merkten, dass das Café angegriffen wurde.

Der bittere Geruch von verschüttetem Kaffee.

Meine Muskeln fühlten sich wie erstarrt an.

Tausend Sicherheitsübungen in der Schule sagten mir, dass ich mich auf den Boden legen und meinen Kopf bedecken sollte, aber ich blieb wie erstarrt und starrte auf die Gewalt der Szene.

Dann gab es einen lauten Knall.

Und ich wusste nichts mehr.

 

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2

CLAIRE

Dunkelheit.

Nicht die alltägliche Dunkelheit einer mondlosen Nacht, sondern eine dicke, tiefe Schwärze, die sich ins Nichts zu erstrecken schien.

Ich sah nichts. Ich hörte nichts. Ich roch, schmeckte und berührte absolut nichts außer der Dunkelheit.

Da packte mich die Panik und legte sich mit eisigen Fingern um meinen…

Körper? Hatte ich überhaupt einen Körper?

Ich versuchte, die Hand auszustrecken aber ich konnte nicht erkennen, ob meine Hand in der Nähe von etwas war.

Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich überhaupt Hände hatte.

Ich versuchte, sie aneinander zu reiben aber ich spürte nichts.

Ich versuchte zu rennen, zu treten und zu strampeln, aber da sich nichts als endlose Dunkelheit erstreckte, soweit ich sehen konnte, hatte ich keine Ahnung, ob ich mich überhaupt bewegte.

Ich versuchte, große Mengen an Luft einzuatmen aber ich musste feststellen, dass es keine Luft zum Atmen gab.

Und ich hatte keine Lunge.

In diesem Moment verwandelte sich meine Panik in blanken Schrecken.

Ich schrie aber es war kein Ton zu hören. Die Stille drückte auf mich ein.

Was war hier los? Wo war ich? Wer war ich?

Es gab keine Antworten. Da war nur Schwärze. Der Abgrund.

Die Leere.

WER BIN ICH?

Ich spürte, wie meine Seele schrumpfte, wie alles, das von mir übrig war, von der Dunkelheit verbogen, verdreht und zerquetscht wurde.

Bald würde ich nichts mehr sein.

Claire. Eine leise Stimme, ein Flüstern in meinem Kopf.

Eine Szene blitzte vor meinen Augen auf. Ein kleines Mädchen mit zerzaustem Haar, das von seinem Vater auf einer Schaukel geschoben wird.

Ein älteres Mädchen, lächelnd und mit einem Universitätsdiplom in der Hand.

Sie steht in einer Schlange in einem überfüllten Café.

Ein Fremder mit strahlend grünen Augen. Ein Aufblitzen von Orange. Ein Ausbruch von Schmerz.

Claire. Das ist mein Name.

Wie ein Stern, der in meinem Kopf explodiert, erinnerte ich mich.

Ich war Claire Hill. Ich war zweiundzwanzig Jahre alt. Ich trank gerade Kaffee, als…

Als was?

Ich versuchte, eine Hand an die Stelle meines Kopfes zu legen, wo ich diesen gewaltigen Schmerzschock gespürt hatte aber natürlich konnte ich keine Hand bewegen.

Ein Anflug von Ekel überkam mich, aber ich unterdrückte es und rang mich zum Denken durch.

Komm schon, Claire. Du warst in dem Café.

Und jetzt bist du hier. In der Leere.

Die Leere. Schon das Wort klang leer und tot.

Tot.

Mein Herz – falls ich eins hatte – blieb stehen.

Ein Schmerz in meinem Kopf. Gefolgt von Dunkelheit.

Ich glaube, ich glaube, ich…

Starb.

***

Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich driftete, nachdem ich realisiert hatte, wo ich war und was das bedeutete.

Tot. Ich war tot.

Ich war nie hungrig, nie müde. Es gab keine Tage oder Nächte, die ich im Auge behalten konnte, keinen Ort, an den ich gehen konnte und nichts, was ich sehen konnte.

Das war der Tod?

Wo waren die Perlenpforten und die goldenen Trompeten?

Selbst tanzende Teufel mit glühenden Heugabeln wären besser als eine Ewigkeit des…

Nichts.

Wenn ich mich stark konzentrierte, konnte ich mir vorstellen, wie ich jetzt aussehen würde. Auf einem trägen Fluss der nachtschwarzen Leere treibend.

Für immer allein in einem bodenlosen Abgrund des Todes…

Ich kann nicht der Einzige sein, der hier ist. „Eine eindringliche innere Stimme rüttelte an meinen düsteren Gedanken.

Mir kam ein Bild von mir selbst in den Sinn, wie ich ausgesehen hatte, als ich noch lebte.

Meine Arme waren vor der Brust verschränkt und meine haselnussbraunen Augen waren vor Wut verengt.

Keiner bekommt seine eigene persönliche Leere. Versuch, die Hand auszustrecken!

Aber wie? Ich hatte keine Hände mehr.

Hör auf, Ausreden zu erfinden. Reiß dich zusammen und denk dir einen Plan aus!

Na gut. Einen Plan.

Noch einmal versuchte ich, die Schwärze um mich herum zu spüren, um irgendeine Veränderung wahrzunehmen, die auf die Anwesenheit einer anderen Seele hinweisen könnte.

Ich stieß aus und stellte mir vor, wie dünne Fäden durch die Dunkelheit glitten.

Sich ohne Richtung ausbreitend.

Als diese mentalen Linien schließlich auf etwas trafen, wollte ich schreien – aber ich hatte keinen Mund.

„Hallo?“, rief ich dem Hauch von – etwas – das ich spürte, entgegen.

Nichts.

Aber ich konnte immer noch eine Präsenz spüren, die in der Stille der Leere schwankte.

„Hallo?“ rief ich erneut.

Hallo…

Eine ferne Stimme ertönte, und ich wusste nicht, ob ich das Wort mit meinen Ohren oder mit meinem Geist gehört hatte.

Auf jeden Fall durchströmte mich Aufregung.

Wenigstens war ich nicht allein.

„Mein Name ist Claire“, sagte ich zu der Stimme.

Chloe…

Ich hörte sie wieder, wie einen sanften Atemzug gegen meine Gedanken.

„Wo sind wir?

Die Stimme war jetzt klarer.

Ich fragte mich, wie lange sie schon hier war – ob sie noch nicht wusste, dass sie tot war.

„Es tut mir leid, dass ich derjenige bin, der dir das sagen muss, aber ich glaube, dies ist das Leben nach dem Tod.“

Ich bin tot?

„Ich … ich glaube schon. Du bist der erste Mensch, dem ich hier begegnet bin.“

Oh Gott. Ich konnte die Panik und Angst in ihrer Stimme hören.

Nein, das habe ich nicht… das kann nicht sein… das wollte ich nie…

Ihre Gedanken wurden zu einem rasenden Durcheinander.

„Es tut mir so leid, Chloe. Kann ich irgendetwas für dich tun?“

Selbst als ich es sagte, wusste ich, dass es eine dumme Frage war.

Ihre Stimme in meinem Kopf wurde kalt und bissig. Lass mich einfach in Ruhe.

Ich zögerte, von ihrem harschen Tonfall zurückgewiesen, aber ich verstand, dass sie gerade einen schweren Schlag erlitten hatte.

„Okay“, sagte ich in Gedanken. „Ich bin aber immer noch da, wenn du reden willst.“

Stille.

Wir saßen schweigend in der Dunkelheit. Ich fragte mich, ob Reden eine schlechte Idee gewesen war.

Claire? Die Stimme drang in meine Gedanken ein. Ist es das? Ist es das für immer?

„Ich weiß es nicht“, sagte ich ehrlich. „Vielleicht können wir beide zusammenarbeiten und versuchen, ein paar andere zu finden?“

Wozu die Mühe? Wir sind total am Arsch.

Bevor mir eine Antwort auf ihre pessimistischen Worte einfallen konnte, erfüllte ein seltsames Summen meinen Geist.

Nicht das Summen eines Bienenstocks, sondern ein leises, pulsierendes Brummen, als würde man zu nahe an einem Strommast stehen.

Hätte ich Haut, würde sie vor Gänsehaut kribbeln.

Claire, spürst du das auch? Chloes Stimme klang erschrocken.

„Ja. Was ist es?“ fragte ich.

Warum zum Teufel sollte ich das wissen?

„Ich weiß es nicht!“

Das Brummen wurde lauter.

Ein schmaler Lichtstrahl erschien aus der Leere. Er zog sich in einer zackigen Linie hinunter, wie ein Riss im Gewebe der Realität selbst.

Ich zitterte vor Angst. Was war das für ein Ding? War es gefährlich?

Wonach suchte es?

Der Riss in der Leere wurde zu einem klaffenden Loch, das immer noch von diesem unnatürlich glühenden Licht erhellt wurde.

Der Strahl weitete sich aus, bis er uns beide umfasste.

Ich warf die Arme, die es nicht gab, als Schutzschild gegen den hellen Strahl hoch.

Das Summen ließ nach, und jetzt konnte ich Chloes hysterische Schreie in meinen Gedanken hören.

Claire! Hilfe! Es holt mich!

„Nein!“ Ohne nachzudenken, griff ich wieder nach den mentalen Ranken und schloss sie um die immaterielle Gestalt von Chloes Essenz.

Claire! Ihre Schreie waren schrill.

„Halt dich fest! Ich habe dich!“ Doch noch während ich ihr diese Worte im Geiste zurief, spürte ich, wie eine Kraft an Chloes Seele zu ziehen begann.

Eine Kraft mit einem Griff wie Eisen

Ich konnte nicht wieder allein sein. Ich konnte nicht wieder in diesem endlosen Abgrund schweben.

Wo auch immer diese Kraft uns hinführte, es musste besser sein als das hier.

Ich packte meine mentalen Ranken fester und ließ zu, dass der eiserne Zug des Lichts uns beide nach oben und aus der Leere zog.

„Chloe? Ich bin noch da!“

Was ist los, Claire? Ich habe Angst!

„Ich auch.“

Das Licht verschluckte uns beide. Ich hatte das Gefühl, als würde ich durch einen sehr langen Strohhalm gezogen werden.

Meine Sicht schwamm und verschwamm, und ich schloss meine Augen gegen die Welle von Schwindelgefühlen.

***

Stille. Abermals.

Ich öffnete meine Augen. Schwärze umgab mich. Mein Herz krampfte sich in Verzweiflung zusammen.

Nein. Nicht mehr. Ich kann nicht an diesem Ort bleiben.

Dann bemerkte ich, dass in der Dunkelheit über mir helle Lichter funkelten.

Sterne.

Ich holte tief und zitternd Luft und spürte, wie sich mein Brustkorb hob und senkte.

Luft. Lunge.

Ich holte in großen, gierigen Zügen Luft und genoss das Gefühl des Sauerstoffs, der durch meine Adern floss.

Die Nacht war still und kühl.

In der Stille konnte ich das Zirpen der Grillen hören.

In der Luft lag der wohlriechende Duft von spät blühenden Blumen. Der Herbstduft von Texas.

Nach Heimat.

Ich wandte meinen Blick vom Himmel über mir ab und sah Reihen glatter, grauer Felsen, die sich über das mondbeschienene Feld erstreckten.

Ein Friedhof.

Ich lag auf einem Friedhof.

Ich zuckte zusammen aber meine Glieder fühlten sich schlaff und losgelöst an. Ich öffnete meinen Mund, um zu schreien, aber er war zermürbt und trocken.

Als wäre er mit Dreck gefüllt worden.

Mein Herz pochte und mir wurde schwindelig von all der Luft, die plötzlich in meine Lungen geströmt war.

Meine Sicht verschwamm, und ich schloss die Augen, um den plötzlichen Ansturm der Gedanken zu verdrängen.

Claire? Eine Stimme hallte in meinem Kopf wider.

Eine vertraute, weibliche Stimme. Aber nicht meine eigene.

Claire, was ist passiert?

Immer noch flach auf dem Rücken liegend, hob ich eine Hand an meine Stirn und nahm mir einen Moment Zeit, um die Tatsache zu genießen, dass ich wieder Hände hatte.

Chloe? Bist du das? rief ich in Gedanken.

Ja! Ich bin hier, aber ich… ich glaube, ich stecke fest.

Was meinst du damit, du steckst fest? fragte ich.

Ich meine, ich kann sehen und hören und alles… aber du bist diejenige, die das Schiff steuert.

Das Schiff? Du meinst…

Ja. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir zusammen in einem Körper stecken.

Ihre Gedanken treffen mich ein Hagelsturm.

Festgefahren.

Zusammen.

In einem Körper.

Wessen Körper? fragte ich und versuchte, diesen zunehmenden Wahnsinn in den Griff zu bekommen.

Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden, du Genie sagte Chloe in sarkastischem Ton in meinem Kopf.

Das ist nicht hilfreich. Ich erhob mich mühsam auf meine Ellbogen und drehte mich um, um ein kleines Holzkreuz am Rand des nächsten Grabes zu sehen.

Ein Kranz aus weißen Lilien war darum drapiert und die Blüten hingen in der dicken Sommerluft.

Als ich die gedruckten Worte auf dem provisorischen Grabstein las, schoss mir der Schrecken durch die Adern.

Oder sollte ich sagen, in Chloes Adern.

CHLOE DANES

Sie hat es auch gesehen.

Das verkompliziert die Sache ein wenig.

Ich musste zustimmen.

Ein hoher Schrei ertönte in meinem Gehirn. Es war ein völlig unmenschliches Geräusch, wie ein Echo aus einem Alptraum.

Mein Blut wurde zu Eis. Was hatten wir sonst noch aus der Leere geholt?

Oh mein Gott. Chloes Stimme erhob sich in Panik.

Was? Geht es dir gut?, rief ich ihr zurück.

Ich versuchte, aufzustehen aber meine Beine waren länger, als ich es gewohnt war, und ich fiel unschön zurück auf den Boden.

Es ist… es ist mein Wolf.

Was meinst du damit, es ist DEIN Wolf?, fragte ich.

Mein Magen fühlte sich krank an. Ich kämpfte gegen den Drang an, mich zu übergeben.

Ich… Ich bin ein Werwolf.I

Eine dicke Kugel aus Zement fiel in meinen Magen.

Du warst ein Werwolf?

Ja, verdammt! Aber… etwas stimmt nicht. Wir sollten nicht so voneinander getrennt sein.I

Was soll das überhaupt bedeuten?I

Ich habe keine Ahnung, Claire! Glaubst du, so was ist mir schon mal passiert?I

Okay, okay, hör auf zu schreien.I

Sag du mir nicht, ich soll aufhören zu schreien! Mein Wolf ist ein Teil meiner Seele, Claire! Wie ist das überhaupt möglich?I

Ich weiß es nicht! Gib mir eine Minute Zeit zum Nachdenken.I

Ich kämpfte mich auf meine – oder besser gesagt, Chloes – Füße. Mir schwirrte der Kopf und ich wäre fast wieder auf den weichen Boden des Friedhofs gefallen.

Ich versuchte logisch zu denken, um herauszufinden, was genau passiert war.

Ich war tot aber es schien, als wäre ich jetzt wieder auferstanden.

Nur war der Lichtpfeil auf Chloe gerichtet gewesen, nicht auf mich.

Ich befand mich in Chloes Körper, nicht in meinem eigenen.

Zusammen mit ihrer Seele.

Und der ihres Werwolfs.

Mir wurde klar, dass Chloe von Anfang an Recht gehabt hatte.

Wir waren total am Arsch.

 

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Liebe auf Umwegen

Ava Darling mag eine Streberin sein, aber sie kann es nicht erwarten, die Highschool zu verlassen. An guten Tagen wird sie von ihren Mitschülern ignoriert, normalerweise hänseln sie sie. Immerhin war es nur noch ein Jahr. Dann konnte sie auf die Uni und einen Neuanfang wagen. Leider ist Ava durch einen üblen Streich ins Visier des Schul-Bad Boys Hunter Black geraten, der ihr einen seltsamen Vorschlag macht. Zwar könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein, aber wenn sie sich zusammentun, stellen sie vielleicht fest, dass sie in Wahrheit – sehr insgeheim – mehr gemeinsam haben, als sie denken!

Altersfreigabe: 16+

Die Torianischen Krieger

Die Erde wird von einer Rasse monströser Außerirdischer angegriffen, die nichts anderes wollen als die totale Vernichtung der Menschheit. Lilly und ihre jüngere Schwester sind mittendrin und sehen dem sicheren Tod ins Auge … bis der großartige Kriegerkönig Bor von einem anderen Planeten kommt und sie rettet. Seine Aufgabe ist es, alle Menschen zu beschützen, aber jetzt hat er nur noch Augen für Lilly. Wird seine Pflicht der Liebe im Weg stehen, oder wird er alles für sie opfern?

Altersfreigabe: 18+

Zu Gast beim Alpha

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Age Rating: 16+

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Altersfreigabe: 18+

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Altersfreigabe: 18+

Original-Autorin: Midika Crane